Verbundenleben
Die Initiative für Verbundenleben hat sich seit über 12 Jahren in Gesprächskreisen in Dortmund, Hannover, Norderstedt und Wesel entwickelt. Den Startschuss dafür gab die Veröffentlichung des Buches von Wolfgang Siegel „Es lauscht am Stein der Weisen - Raus aus dem Gefängnis von Psyche und Gesellschaft“. Das Bewusstwerden der universellen Verbundenheit ist der Ursprung von Verbundenleben als ein gemeinsamer Lernprozess, wie liebevolle und freundschaftliche Begegnungen zu gestalten sind. Es ist ein Prozess, der mit dieser neuen Website fortgeführt wird. Unser Lernprozess ist niemals abgeschlossen.
Über uns
Woraus besteht die Initiative?
Der Verein
Zielsetzung, Gemeinnützigkeit und rechtliche Basis.
Unsere Gemeinschaft
Zusammenleben in Würde, Offenheit und Liebe.
Vertiefende Themen
Manche Menschen erleben beim Nichtwissenfühlen® Angst vor Kontrollverlust, die sehr bedrohlich erscheinen kann. Schließlich wurde uns diese Denkweise, dass wir die Kontrolle nicht verlieren dürften, von klein auf beigebracht, so dass sie oft wieder auftaucht.
Wenn du dich im Nichtwissen unwohl fühlst, dann zeigt dieses Gefühl meist die Angst vor dem Verlust von Kontrolle und vor Unsicherheit. Erinnere dich bei diesem Gefühl daran, dass du sowieso keine Kontrolle über das Leben hast, und dass die Sehnsucht nach Kontrolle keine Sicherheit gibt. Wenn Sicherheit da wäre, würdest du nicht danach streben. Daran wirst du durch dein Unwohlsein im Nichtwissenfühlen® erinnert. Wenn du dir dieser Illusion bewusst bist, dann frage dich erneut: Wie fühlt sich das Nichtwissen jetzt an? Was geschieht in mir, wenn ich mir des Nichtwissens voll bewusst bin? Oder ganz einfach: Wie geht es mir jetzt, da ich weiß, dass ich die Lösung meines Problems wirklich nicht weiß?
Die größte Angstillusion, die meist auftaucht, wenn das Nichtwissen eingestanden ist, besteht darin, nicht mehr handeln zu können. „Wenn ich nicht weiß, was soll ich dann tun?“, ist die oft fast verzweifelte Frage, die aufkommt. Wenn du nur mit dem Gedanken spielst, du solltest ins kalte Wasser springen, dann kommt die Befürchtung, wie es wohl sein wird. Wenn jedoch tatsächlich hinter dir ein wildes angriffslustige Tier her wäre und du könntest dich nur mit dem Sprung ins kalte Wasser retten, dann würdest du springen, und zwar ohne Angst, sondern mit Erleichterung, dass du das Wasser erreicht hast.
Dem wilde Tier in dem obigen Bild entspricht beim Nichtwissenfühlen die Erkenntnis, dass weiteres Denken deine psychischen Probleme schlimmer machen wird. Wenn du das Unsinnige des weiteren Denkens erkannt hast, dass es dir keine Lösung bietet, sondern dich in Nöte versetzt, dann springst du ins unbekannte Fühlen.
Auf diese Weise kannst du mit allen negativen Gefühlen, die beim Nichtwissenfühlen® auftreten können, verfahren. Jedes negative Gefühl ist ein Relikt nicht bewältigter Erinnerungen, von denen du dich dadurch befreist. Wenn dir das klar ist, verliert sich die Angst vor dem Nichtwissenfühlen, und du ärgerst dich auch nicht, wenn du die nicht zu beschreibende Freiheit, die sich beim Nichtwissenfühlen® zeigen kann, aber nicht muss, nicht sofort fühlen kannst. Du bleibst einfach dran, dich immer weiter mit dem Nichtwissenfühlen vertraut zu machen. Letztlich ist es ein Geschenk, wenn du die Freiheit fühlst.
Um dies mit einem Bild von Jiddu Krishnamurti, der uns auf die Begrenztheit des Denkens hingewiesen hat, zu verdeutlichen: Wir können das Fenster aufmachen, d.h. die Bereitschaft zum Nichtwissenfühlen mitbringen, doch wir wissen nicht, ob und wann der frische Wind hineinweht, d.h. das Empfinden von Freiheit uns berührt. Sobald wir eine Vorstellung von oder eine Erwartung an das Nichtwissen haben, gibt es keinen Kontakt dazu. Symbolisch formuliert, schließen wir damit das Fenster.
Allerdings kann es einen solch großen Sturm im Leben geben, dass das Fenster aufgerissen wird. Tiefe Einsichten können uns auch ohne Nichtwissenfühlen spontan und sehr plötzlich berühren.
Das Nichtwissenfühlen findet immer im Jetzt statt. Deshalb können wir es auch nicht erst vorausschauend planen und später umsetzen. Genauso ist die Fürsorge für mich und zugleich für meine Mitwelt immer nur im Jetzt zu praktizieren. Das Jetzt ist aber kein besonderer Zustand. Es gibt einfach nur das Jetzt. Wenn wir uns dieser existentiellen Grundlage bewusst sind, produzieren wir nicht mehr Angstgedanken vor der Zukunft, sondern kümmern uns um das, was jetzt möglich ist.
Es wird viel über das Hier-und-Jetzt geredet, weil das Leben im Hier-und-Jetzt offensichtlich gut tut. Doch wie leben wir wirklich? Wenn wir Im-Hier-und-Jetzt tatsächlich sind, dann gibt es über diesen Zustand gar nicht viel zu reden. Dann wird gelebt und gehandelt. Wenn darüber jedoch gesprochen wird, ist es meist nur eine Absichtserklärung oder eine Wunschvorstellung, also gerade nicht ein Leben Im-Hier-und-Jetzt. Deshalb ist es unsinnig, Im-Hier-und-Jetzt leben zu wollen, weil es sowieso nichts anderes gibt als das Jetzt.
Die Vergangenheit ist tot und die Zukunft unbekannt. Und alles, was wir über Vergangenheit und Zukunft sagen oder denken, findet nur im Jetzt statt.
Wer versteht, dass wir nichts anderes haben als das Jetzt und dass wir immer im Hier sind, wird mit großer Sorgfalt und Liebe darauf achten, wie er mit sich und mit seiner Mitwelt hier und jetzt umgeht. Wir werden uns nicht mehr mit „ich hätte…“ oder „ich sollte…“ herumschlagen. Die ganze Vorstellung, dass wir anders hätten sein oder werden sollten, bricht zusammen. Die volle Aufmerksamkeit ist bei dem, was ist, bei dem, was um uns herum geschieht und bei dem, was in uns los ist. Nichtwissenfühlen ist Gegenwärtigkeit.
Eine junge Frau hat ihre Erfahrung mit dem Nichtwissenfühlen® für sich noch weiter betrachtet und hat, wie wir finden, ein hilfreiches Bild dafür geschaffen.
„Was, wenn es kein Wohin mehr gäbe? Was, wenn der Weg nicht das Ziel ist, weil es nicht mehr darum geht, irgendwohin zu gehen? Weil die Schritte schon gegangen wurden, und zwar bis zu dem Punkt, wo man nicht mehr weiter weiß. Genau um diesen Punkt geht es hier. Das ist ganz wörtlich der springende Punkt, also der Punkt, nach dem man nicht mehr geht, sondern verbleibt und dann springt.
Bis hierher sind wir die Schritte des Denkens gelaufen. Wir setzen uns mit der Realität und unserer Vorstellungen auseinander und tun alles erdenklich Mögliche, um die Realität mit unseren Vorstellungen zu vereinen. Oft klappt es nicht, und um diesen Konflikt herum entsteht ein Problem. Weil wir denken, weil wir Lösungen suchen, weil wir es nicht wahr haben wollen, weil wir es nicht akzeptieren, hadern wir, und mit den Problemen kommen auch die Symptome, die Ängste, die Zwänge, die Süchte und die Depressionen.
Aber seit wann ist es verkehrt, eine Lösung zu suchen? Sollten wir nicht alle heutzutage gefälligst lösungsorientiert denken? Ja und nein. Ja, wenn es um Probleme geht, die gelöst werden können. Zum Beispiel um fehlende Informationen zu erfassen oder bei praktischen Engpässen, da kann das Denken mächtig sein. Nein, wenn das Denken an seine Grenze kommt und den Punkt erreicht, an dem es nicht mehr gehen kann, sondern nur springen. Ein Sprung ins kalte Wasser. Ein Sprung ins Fühlen.
Der springende Punkt befindet sich an der Schwelle: eine Grenze, die de-finiert und öffnet. Innerhalb dieser Grenze ist das Denken mächtig, außerhalb völlig ungeeignet und gar schädlich. Denkend umgehen mit Gefühlen, auch indem man sie zum Beispiel benennt, ist schädlich, einfach deswegen, weil das Denken ein ungeeignetes Handwerkzeug dafür ist. Ge-fühle sind halt zum Fühlen da. Das Denken ist eine präzise Pinzette, die mit konkreten, definierten Inhalten umgehen kann. Das Fühlen ist wie Wasser: Damit kann die beste Pinzette gar nichts. Hier plädiert man nicht für ein Aufgeben des Denkens, sondern für ein Denken, das an seine Grenze kommt und sie als solche wahrnimmt: als eine Schwelle zum Fühlen. An diesem Punkt gekommen kann man dann nur das Gerüst des Denkens niederlegen und ins Wasser des Fühlens springen. Ein Gerüst wäre sowieso im Wasser ein Hindernis.
Um in diesem Wasser nicht unterzugehen, ist das Wissen um das Nichtwissen notwendig.
Jiddu Krishnamurti hat uns darauf aufmerksam gemacht: Alles ist miteinander verbunden, und niemand kann sich aus der Verbindung zu seiner Mitwelt herausziehen. Wir können im Äußeren einen Abstand schaffen zu dem, was uns nicht gefällt, beispielsweise den Kontakt zu einer Person abbrechen, den wir nicht mehr haben wollen. Doch in unserem Inneren ist alles weiter vorhanden, was zwischen uns gewesen ist. Unser Gehirn hat alles gespeichert, was uns mit unserer Mitwelt verbunden hat. Deshalb sind und bleiben wir immer ein Teil des Ganzen. Das ist die unzerstörbare Grundlage dafür, dass wir, wenn wir uns verändern, zugleich die Gesellschaft verändern.
Wer unter gesellschaftlichen Zuständen leidet, dem signalisierte sein Gehirn durch das Leid, kläre dein Leid. Damit änderst du dich auch in deiner Beziehung zur Gesellschaft. Dies wird auch die Gesellschaft ändern.
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